Kompetenzzentrum für Gesundheit

Offen und modern zeigen sich die neuen Räume. Foto: Pleil
Offen und modern zeigen sich die neuen Räume. Foto: Pleil

Mitten in der Pandemie ein neues Geschäft zu eröffnen, mag auf den ersten Blick nicht gerade als gute Idee erscheinen. Doch Sebastian Pleil ließ sich von den äußeren Umständen nicht beirren und setzte seine Idee von einem modernen Orthopädieschuhtechnik-Betrieb mit einem ganzheitlichen Gesundheitsansatz um. Im Dezember 2020 war Eröffnung und die Entwicklung ist – trotz der ­Einschränkungen in der Corona-Pandemie – seither sehr positiv verlaufen.

Auf die Feier zur Eröffnung musste Sebas­tian Pleil leider verzichten. Seine Kunden konnte er nur zu einem digitalen Rundgang oder zu einer individuellen Führung durch die neuen Geschäftsräume einladen. Pleil, der das 1928 gegründete Unternehmen mit Niederlassungen in Fürstenfeldbruck und Gröbenzell bereits in der vierten Generation führt, wagte mit dem neuen Geschäft einen großen Sprung nach vorn. Die Räumlichkeiten am alten Standort waren zu klein geworden und so konnte der Betrieb in den neuen Räumen nicht nur komplett neu gestaltet, sondern auch neu konzipiert werden.

Der neue Standort liegt zwar außerhalb des Stadtzentrums, dafür aber in einem Ärztehaus mit Orthopäden, Diabetologen und Physiotherapeuten und – nicht zu unterschätzen – ausreichend Parkplätzen für die Kunden.

Vor allem aber bot die offene Fläche im Erdgeschoss des Gebäudes ideale Voraussetzungen dafür, das Konzept umzusetzen. Die Orthopädieschuhtechnik, 1992 von seinem Vater Klaus Pleil im Unternehmen eingeführt, bildet für Sebastian Pleil weiter das Herzstück. Aber er hat das Angebot um zahlreiche Produkte ­erweitert, die der Therapie, der Sportausübung und dem Wohlbefinden dienen oder Kunden mit körper­lichen Einschränkungen den Alltag erleichtern, sei es im oder außer Haus.

Das zusätzliche Sortiment entspricht dem eines Sanitätshauses. Doch war es Pleil sehr wichtig, dass sein Geschäft, das er überwiegend mit lokalen Firmen einrichtete, nicht wie ein solches wirkt. Dezent und übersichtlich sollte die Gestaltung sein und dabei jung und modern erscheinen. Was besonders auffällt sind die großzügigen Räume zwischen den einzelnen Warengruppen. „Auch Menschen mit Hilfsmitteln sollen sich ungehindert bei uns bewegen können“, erläutert Sebastian Pleil. Dabei habe man nicht nur an Menschen mit Gehhilfen oder Rollstühlen gedacht, sondern auch an die Patienten, die mit E-Scootern in der Stadt unterwegs sind. Durch den ebenerdigen Zugang würden ­viele einfach direkt ins Geschäft fahren und sich umsehen oder gleich zur Rezeption fahren.

Durch die Erweiterung auf den Sanitätshausbereich kann Pleil neben den Mobilitätshilfen und Sanitätshausartikeln auch Orthesen und Bandagen für den ganzen Körper abgeben. Auch der Kompressionsbereich, in dem ein Scanner die Vermessung übernimmt, wurde ausgeweitet. Neben klassischen Kompressionsstrümpfen gehört jetzt auch die Narbenkompression zum Leistungsangebot. Für die Sportversorgung wurde ein Laufstudio eingerichtet.

„In allen Bereichen, die wir anbieten, wollen wir uns als Profis präsentieren“, erläutert Pleil den Grundgedanken. Die Leistungsbereiche werden deshalb im Verkaufsraum mit unterschiedlichen Schwerpunkten präsentiert. Entsprechend dem neuen Konzept soll dabei aber nicht die jeweilige Erkrankung im Mittelpunkt ­stehen. „Wir wollen die Mobilität vermitteln, die der Patient durch uns gewinnt, und ihn nicht auf seine Einschränkungen verweisen“, so Pleil.

Vom Schuhhandel hat sich Pleil mit dem Umzug verabschiedet. Im Vergleich zum Aufwand, den man dafür betreiben muss, habe sich das für ihn nicht mehr gerechnet. Zuvor hatte er den Schuhhandel schon in der Filiale Gröbenzell aufgegeben. Heute hat er mit „Finn Comort“ und den Komfortschuhen von „Darco“ nur noch zwei Marken im Programm, die ihm als Problemlöser bei Einlagenversorgungen und Schuhzurichtungen dienen.

Neu ist die offene Werkstatt, die sowohl vom Geschäft als auch von der Straße aus einsehbar ist. „Wir wollen unser Handwerk transparent darstellen“, sagt Sebastian Pleil. Und so können die Kunden zusehen, wie ihre Einlagen oder Schuhe den letzten Schliff erhalten, damit sie individuell passen. Platz für die komplette Orthopädieschuhtechnik-Werkstatt wäre auf den 240 Quadratmetern Ladenfläche nicht gewesen, weswegen die Hauptarbeit der handwerklichen Fertigung am alten Standort verbleibt. Durch den Wegfall des Ladens kann dort nun die Werkstatt erweitert werden.

Nach den ersten fünf Monaten kann Sebastian Pleil ein erstes, positives Fazit ziehen. Die bestehenden Kunden sind dem Betrieb nach dem Umzug treu geblieben und durch den neuen Standort und das erweiterte Sortiment konnten neue Kunden gewonnen werden. Die derzeit 22 Mitarbeiter an den beiden Standorten, darunter zwei Auszubildende, sind also gut ausgelastet. Dies ist umso erfreulicher, als einige wesentliche Teile des neuen Konzeptes aufgrund der Corona-Pandemie noch gar nicht umgesetzt werden konnten.

So sind alle Elemente der Ladeneinrichtung beweglich und können zur Seite geräumt werden. Damit wird aus dem Verkaufsraum ein Veranstaltungsraum. Info-Abende für Ärzte und Pflegekräfte sind hier geplant, wenn die Beschränkungen aufgehoben werden. Auch für die Patienten soll es spezielle Angebote geben, nicht nur zum Leistungsspektrum des Betriebes, sondern auch zu Themen wie Ernährung und gesunder ­Bewegung.

Unter dem Motto „Monday Runday” ist geplant, jeden Montag für Sportler einen Lauf unter fachkundiger Anleitung anzubieten. Dafür wurde eigens eine eigene Internetseite eingerichtet (www.monday-runday.de). Sie bietet Informationen zu Fußtypen, zu Laufschuhen, zum richtigen Lauftraining und zur Laufanalyse. Auch dieser Teil der Strategie, mit den Sportlern in direkten Kontakt zu kommen, konnte bislang nicht wirklich ausgerollt werden. „Immerhin“, so Sebastian Pleil, „wird unsere Broschüre mit den Technik- und Lauftipps gut angenommen und von der Internetseite geladen.“

Digitale Konzepte stehen auch in anderen Bereichen der Kommunikation mit den Kunden im Mittelpunkt. So setzt er schon seit 2018 ein digitales Terminbuchungssystem ein, das seit dem vergangenen Jahr verstärkt genutzt wird. „Durch die Pandemie haben die Menschen gelernt, digitale Services zu nutzen“, sagt Pleil. Das funktioniere inzwischen sehr gut und entlaste die Mitarbeiter bei der Terminvergabe. Vor allem aber würden sich die Kunden auch an die Termine halten. „Wer selbst bucht, der kommt auch“, ist Pleils Erfahrung.

Für die Beratung im Geschäft nutzt Pleil ein interaktives System mit Touchscreen-Bildschirm. Am „Info­board“ für Einlagen können sich die Kunden selbst durch das Angebot an Einlagen klicken oder sie „scannen“ eines der beim Bildschirm ausgestellten Einlagenmodelle. Weil alle Modelle mit einem Sensor ausgestattet sind, erhält der Kunde auf dem Bildschirm genau die Information zu der Einlage, die er in der Hand hält. Auch die Mitarbeiter nutzen das System, um den Kunden die unterschiedlichen Versorgungsmöglichkeiten anschaulich zu zeigen.

Darüber hinaus erhalten Pleils Kunden regelmäßig einen Newsletter in dem Produkte und Fachthemen vorgestellt werden, wie zum Beispiel im Frühjahr die individuell gefrästen Flip-Flops, die es vielen Menschen ermöglichen, trotz ihrer Fußprobleme offene Sandalen zu tragen. Um vor allem auch die jüngeren Zielgruppen zu erreichen, ist Sebastian Pleil mit seinem Betrieb auch in den sozialen Medien aktiv. Einmal in der Woche nimmt er ein Video auf, in dem er jeweils über unterschiedliche Bereiche seines Leistungsangebotes berichtet, und postet es auf Facebook, Instagram und LinkedIn. „Damit erzielen wir gute Reichweiten“, ist seine Erfahrung. Vor allem aber böten diese Kanäle die Möglichkeit, genau nachzuvollziehen, wie die Nutzer auf die Videos reagieren, also ob sie sich weitergehend über das Angebot informieren oder zum Beispiel einen Beratungstermin buchen.

In den nächsten Monaten will Sebastian Pleil noch weitere Erfahrungen mit dem neuen Konzept sammeln, vor allem auch mit jenen Bereichen, die coronabedingt bislang noch nicht umgesetzt werden konnten. Entwickelt sich das ähnlich positiv, soll das neue Geschäft der Grundstein für weitere kundenorientierte Gesundheitshäuser werden. Pleil will in der Region wachsen und ist schon auf der Suche nach geeigneten Objekten.